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Rosenstolz: Interviews
Ausgeschrieben: Siegessäule queer Berlin -Mensch, seid ihr groß geworden!
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Posts: 734

Original

Mensch, seid ihr groß geworden!
Ich will ganz ehrlich sein: Ich bin kein Rosenstolz-Fan. Aber euer neues Album finde ich wunderschön: lyrisch und kraftvoll. Was habt ihr anders gemacht?

Peter: Bei den Aufnahmen hat einfach alles gestimmt. Wir hatten endlich mal Zeit, uns zurückzuziehen und zu sagen: Ich schreibe jetzt hier meine kleinen Lieder und mache nichts anderes. Im Studio durfte man überall rauchen und sich ausbreiten, und wir haben teilweise bei Kerzenschein eingespielt. Es herrschte eine super Atmosphäre.

Ihr habt ganz altmodisch auf Band aufgenommen und viele akustische Instrumente benutzt. Warum das?

Peter: Hör dir mal alte Beatles-Platten an. Da rauscht es noch, und du hörst, wie der Fuß beim Klavier ans Pedal anstößt. Das lebt noch so richtig, und das wollten wir halt auch.

Wenn man die Platte hört, könnte man denken: Peter spielt auch gerne mal am Lagerfeuer Gitarre.

AnNa: (lacht)

Peter: Ich liebe Lagerfeuer, aber es gibt in meinem Freundeskreis Leute, die besser Gitarre spielen. Ich singe leidenschaftlich gerne am Lagerfeuer.

Warum habt ihr eigentlich so lange Pause gemacht?

Peter: Wir wurden langsam ein Rad im Getriebe. Die Plattenfirma hätte gerne noch eine Single ausgekoppelt und ein paar Fernsehauftritte gemacht, aber wir hatten einfach keinen Spaß mehr. AnNa: Wir sind in eine Duldungsstarre verfallen. Und dann wurde uns klar: Wenn wir weitermachen wollen, dann muss jetzt mal kurz Pause sein.

„Das große Leben“ ist sehr persönlich, und es ist weniger Herzschmerz drauf. Habt ihr euch neu erfunden?

Peter: Das war gar nicht so geplant. Die Lieder sind einfach so aus uns rausgeflossen, und hinterher fiel uns auf: Es geht dieses Mal weniger um Liebe als um Freundschaft. Und es geht um Liebe und Freundschaft zu sich selbst.

Im Video zur Single „Ich bin ich (Wir sind wir)“ sind Szenen aus eurer Kindheit zu sehen. Der kleine Peter traut sich nicht, vom Dreimeterbrett zu springen, und dann wird er von Mitschülern in einen Papierkorb gestopft und auf dem Lehrerpult ausgestellt. Ist das alles wirklich so passiert?

Peter: Ja, das ist alles wahr. Ich war ein ziemlicher Außenseiter und wurde total gedisst. Und ich stand wirklich auf diesem Dreimeterbrett, in einem Freibad in Goslar. Sowas vergisst du nie.

Habt ihr Angst gehabt, euch so verletzlich zu zeigen?

Peter: Dafür muss ich mich ja nicht schämen, oder? Der Song-Text transportiert ja gerade die Message: Es ist egal!

„Ich bin ich“ ist ja irgendwie der Grundton eurer ganzen Karriere, oder?

AnNa: (seufzt und lacht) Ja, das könnte wohl so sein.

Als Erwachsene beobachtet ihr im Video die Kinder, die ihr mal wart, mit sehr liebevollen Blicken, und die Platte klingt, als hättet ihr euren Frieden mit euch selbst gemacht.

AnNa: Man muss sich ja irgendwann mit sich selber versöhnen. Sonst kommt man dann nicht mehr weiter im Leben.

Peter: Es ist der Versuch einer Versöhnung mit sich selbst. Geglückt ist mir das noch nicht, aber ich bin immerhin ein paar Schritte weiter als vor 20 Jahren. In dieser Hinsicht ist Altwerden schön.

AnNa: „Älterwerden“ klingt besser.

„Reifen“?

Peter: „Reifen“ ist schlimm!

AnNa: Das klingt wie Fallobst. Mit lauter braunen Stellen.

Was heißt das: Du bist noch nicht mit dir versöhnt, Peter?

Peter: Ich habe, ehrlich gesagt, noch ziemliche Selbstzweifel. Das ist immer wieder ein Kampf. Zum Beispiel, nachts allein in eine Schwulenbar zu gehen und sich da auf den Markt zu werfen. Das ist einerseits total schön, und andererseits muss ich dreimal schlucken, bevor ich reingehe.

Ist es da nicht eine Genugtuung, dass eure Fans es lieben, wenn ihr euch in euren Liedern schwach zeigt?

Peter: Ja, ich denke dann immer: Es geht anscheinend auch noch anderen so. Es wird zu wenig darüber geredet in unserer Gesellschaft. Es muss ja jeder immer noch cooler und hipper als der Andere sein.

Ganz nebenbei feiert ihr in diesem Jahr auch noch euer 15-jähriges Bestehen. Ihr seid von einem trashigen Szene-Duo zu einer der erfolgreichsten Bands Deutschlands geworden.

AnNa: Wir wollten damals ja nicht bewusst Subkultur sein. Wir wollten deutsche Pop-Musik machen und konnten uns keine Musiker leisten. Deswegen mussten wir mit dem Sound arbeiten, der vom Keyboard kam. Der klang schon mal billig und schrill. Was bot sich mehr an, als billig und schrill zu werden?

Wie wird eure neue Show?

Peter: AnNa meint, ich darf nicht Show sagen.

AnNa: Du darfst schon, es ist nur kein besonders gutes Wort dafür.

Peter: Natürlich soll es schönes Licht geben und so, aber das Wichtigste sind die Lieder. Es soll emotional werden – und eine Party für alle.

Interview: Holger Wicht

Quelle:http://www.siegessaeule.de/titel.shtml

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Mensch, seid ihr groß geworden!
Ich will ganz ehrlich sein: Ich bin kein Rosenstolz-Fan. Aber euer neues Album finde ich wunderschön: lyrisch und kraftvoll. Was habt ihr anders gemacht?

Peter: Bei den Aufnahmen hat einfach alles gestimmt. Wir hatten endlich mal Zeit, uns zurückzuziehen und zu sagen: Ich schreibe jetzt hier meine kleinen Lieder und mache nichts anderes. Im Studio durfte man überall rauchen und sich ausbreiten, und wir haben teilweise bei Kerzenschein eingespielt. Es herrschte eine super Atmosphäre.

Ihr habt ganz altmodisch auf Band aufgenommen und viele akustische Instrumente benutzt. Warum das?

Peter: Hör dir mal alte Beatles-Platten an. Da rauscht es noch, und du hörst, wie der Fuß beim Klavier ans Pedal anstößt. Das lebt noch so richtig, und das wollten wir halt auch.

Wenn man die Platte hört, könnte man denken: Peter spielt auch gerne mal am Lagerfeuer Gitarre.

AnNa: (lacht)

Peter: Ich liebe Lagerfeuer, aber es gibt in meinem Freundeskreis Leute, die besser Gitarre spielen. Ich singe leidenschaftlich gerne am Lagerfeuer.

Warum habt ihr eigentlich so lange Pause gemacht?

Peter: Wir wurden langsam ein Rad im Getriebe. Die Plattenfirma hätte gerne noch eine Single ausgekoppelt und ein paar Fernsehauftritte gemacht, aber wir hatten einfach keinen Spaß mehr. AnNa: Wir sind in eine Duldungsstarre verfallen. Und dann wurde uns klar: Wenn wir weitermachen wollen, dann muss jetzt mal kurz Pause sein.

„Das große Leben“ ist sehr persönlich, und es ist weniger Herzschmerz drauf. Habt ihr euch neu erfunden?

Peter: Das war gar nicht so geplant. Die Lieder sind einfach so aus uns rausgeflossen, und hinterher fiel uns auf: Es geht dieses Mal weniger um Liebe als um Freundschaft. Und es geht um Liebe und Freundschaft zu sich selbst.

Im Video zur Single „Ich bin ich (Wir sind wir)“ sind Szenen aus eurer Kindheit zu sehen. Der kleine Peter traut sich nicht, vom Dreimeterbrett zu springen, und dann wird er von Mitschülern in einen Papierkorb gestopft und auf dem Lehrerpult ausgestellt. Ist das alles wirklich so passiert?

Peter: Ja, das ist alles wahr. Ich war ein ziemlicher Außenseiter und wurde total gedisst. Und ich stand wirklich auf diesem Dreimeterbrett, in einem Freibad in Goslar. Sowas vergisst du nie.

Habt ihr Angst gehabt, euch so verletzlich zu zeigen?

Peter: Dafür muss ich mich ja nicht schämen, oder? Der Song-Text transportiert ja gerade die Message: Es ist egal!

„Ich bin ich“ ist ja irgendwie der Grundton eurer ganzen Karriere, oder?

AnNa: (seufzt und lacht) Ja, das könnte wohl so sein.

Als Erwachsene beobachtet ihr im Video die Kinder, die ihr mal wart, mit sehr liebevollen Blicken, und die Platte klingt, als hättet ihr euren Frieden mit euch selbst gemacht.

AnNa: Man muss sich ja irgendwann mit sich selber versöhnen. Sonst kommt man dann nicht mehr weiter im Leben.

Peter: Es ist der Versuch einer Versöhnung mit sich selbst. Geglückt ist mir das noch nicht, aber ich bin immerhin ein paar Schritte weiter als vor 20 Jahren. In dieser Hinsicht ist Altwerden schön.

AnNa: „Älterwerden“ klingt besser.

„Reifen“?

Peter: „Reifen“ ist schlimm!

AnNa: Das klingt wie Fallobst. Mit lauter braunen Stellen.

Was heißt das: Du bist noch nicht mit dir versöhnt, Peter?

Peter: Ich habe, ehrlich gesagt, noch ziemliche Selbstzweifel. Das ist immer wieder ein Kampf. Zum Beispiel, nachts allein in eine Schwulenbar zu gehen und sich da auf den Markt zu werfen. Das ist einerseits total schön, und andererseits muss ich dreimal schlucken, bevor ich reingehe.

Ist es da nicht eine Genugtuung, dass eure Fans es lieben, wenn ihr euch in euren Liedern schwach zeigt?

Peter: Ja, ich denke dann immer: Es geht anscheinend auch noch anderen so. Es wird zu wenig darüber geredet in unserer Gesellschaft. Es muss ja jeder immer noch cooler und hipper als der Andere sein.

Ganz nebenbei feiert ihr in diesem Jahr auch noch euer 15-jähriges Bestehen. Ihr seid von einem trashigen Szene-Duo zu einer der erfolgreichsten Bands Deutschlands geworden.

AnNa: Wir wollten damals ja nicht bewusst Subkultur sein. Wir wollten deutsche Pop-Musik machen und konnten uns keine Musiker leisten. Deswegen mussten wir mit dem Sound arbeiten, der vom Keyboard kam. Der klang schon mal billig und schrill. Was bot sich mehr an, als billig und schrill zu werden?

Wie wird eure neue Show?

Peter: AnNa meint, ich darf nicht Show sagen.

AnNa: Du darfst schon, es ist nur kein besonders gutes Wort dafür.

Peter: Natürlich soll es schönes Licht geben und so, aber das Wichtigste sind die Lieder. Es soll emotional werden – und eine Party für alle.

Interview: Holger Wicht

Quelle:http://www.siegessaeule.de/titel.shtml

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